Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) und
Sprachenzentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Presseinformation zur 37. Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL)
Same procedure as everywhere?
Sprachen im globalen Dorf
Unter dem Titel «Globalisierung» findet vom 21. bis 23. September 2006 an der Wilhelms-Universität Münster die 37. Jahrestagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL) statt. Etwa 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland werden sprachliche Aspekte und Konsequenzen der Globalisierung erörtern und vor diesem Hintergrund zu aktuellen Streitfragen in Politik, Wirtschaft und Kultur Stellung nehmen.
Zum Hintergrund
Jedes Verständnis von Globalisierung räumt den Sprachen einen gewichtigen Stellenwert ein: als Medien im Prozess der weltweiten, dynamischen Vernetzung von Ideen, Gütern und Menschen, als (bedrohtes) kulturelles Kapital im Spannungsfeld von Vielfalt und Vereinheitlichung der Lebensformen, als Waren, die selbst den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen werden. Nicht zuletzt ist „die Globalisierung“ – als Erwartung einer zielgerichteten historischen Entwicklung – ein vielfach beschworenes und umkämpftes Schlüssel-, Fahnen- und Stigmawort in der Öffentlichkeit.
Aus dem Programm:
* Globalisierung lässt Mehrsprachigkeit – individuell und gesellschaftlich – als Herausforderung erscheinen. Dabei tritt der ökonomische Wert sprachlicher Kompetenzen zunehmend in den Vordergrund, was für kleinere Sprachen eine Gefährdung, aber auch eine Chance darstellen kann. Der Angewandten Linguistik kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, jenseits politischer Polemik konkrete Konzepte auf empirischer Basis zu bewerten: für eine mehrsprachige Erziehung, die Sprachenplanung international agierender Unternehmen oder für Alternativen zu einer sprachlichen Monokultur in der internationalen Kommunikation.
* Globalisierung entwickelt sich in einem Wechselspiel globaler und lokaler Kräfte, das oft als „Glokalisierung“ bezeichnet wird. Dieses Wechselspiel fördert die Aufwertung lokaler/ regionaler Sprachen und Sprachvarietäten, eine Sensibilisierung für den Erhalt von Kleinsprachen und neue Konstellationen von Mehrsprachigkeit in den Großstädten, wo im Kontakt von Landes- und Einwanderersprachen neue Sprachkulturen entstehen, die es zu beschreiben und zu verstehen gilt.
* Dem Schreckgespenst einer globalen kulturellen Vereinheitlichung setzt die Angewandte Sprachwissenschaft Erkenntnisse entgegen, die eine kreative Verbindung global zirkulierender Ressourcen mit landes- oder regionalspezifischen kulturellen Traditionen belegen. Deutlich wird dies insbesondere im Gebiet der Medien- und Populärkultur, in der globale Trends und Formate mit lokalen Inhalten aufgefüllt und durch lokale Stile ausgestaltet werden.
* Das Internet ermöglicht die Entstehung und Verfestigung weltweiter Netzwerke mit vielfältigen Zielen: von der kollaborativen Produktion und Akkumulation von Wissen (z.B. Wikipedia) über die Organisation globaler Gegenöffentlichkeiten bis zur Vernetzung Gleichgesinnter in „virtuellen Gemeinschaften“. Die Angewandte Linguistik erforscht Entstehung und Aufrechterhaltung solcher Netzwerke und leitet daraus Anwendungs- und Optimierungsempfehlungen für Bildung und Wissenschaft ab (eLearning, Web-Communities).
* Nicht zuletzt ist „Globalisierung“ ein Schlagwort, mit dem politische Entscheidungen legitimiert oder kritisiert werden können. Neuere Untersuchungen zeigen auf, wie „die Globalisierung“ in öffentlichen und fachlichen Diskursen „hergestellt“ wird, welche Chancen und Gefahren in sie hineinprojiziert werden und welche Aspekte und Perspektiven dabei ausgeblendet werden.
Die Tagung in Münster ist auch ein Meilenstein auf dem Weg zum 15. Weltkongress für Angewandte Linguistik (AILA 2008) , den die GAL 2008 unter dem Thema «Mehrsprachigkeit: Herausforderungen und Chancen» in Deutschland ausrichten wird.
Für weiterführende Informationen und die Vermittlung von Gesprächspartnern zu den einzelnen Themenfeldern stehen Ihnen die Pressesprecher der GAL sowie die Pressestelle der lokalen Veranstalter gerne zur Verfügung.
Die Pressesprecher der GAL:
* Jun.-Prof. Dr. Jannis Androutsopoulos, Universität Hannover, Juniorprofessur Medienkommunikation, 30167 Hannover, Telefon: 0511 762 4215, Fax: 0511 762 4813, E-Mail: jannis.androutsopoulos (at) germanistik. uni-hannover.de
* Prof. Dr. Stephan Habscheid, Universität Siegen, Fachbereich 3: Germanistik / Angewandte Sprachwissenschaft, Telefon: 0271 740 4571, -2349, Fax: 0271 740 3246, E-Mail: habscheid (at) sisib.uni-siegen.de
Pressestelle der Wilhelms-Universität Münster:
* Norbert Frie (Leiter und Pressereferent), Universität Münster, Schlossplatz 2 , 48149 Münster, Telefon: 0251 83 222 32, Fax: 0251 / 83 22258, -21445, E-Mail: pressestelle (at) uni-muenster.de
