Anwendungsfelder
Das Aufgabengebiet der Angewandten Linguistik wird je nach Forschungstradition unterschiedlich gefasst. Im angelsächsischen Raum zum Beispiel wird „Applied Linguistics“ oft auf Sprachunterricht und Übersetzen eingegrenzt. Im deutschsprachigen Raum hingegen umfasst die Angewandte Linguistik ein breites Spektrum von der Vermittlung mutter- und fremdsprachlicher Sprech-, Schreib- und Lesefähigkeiten über die klinische Behandlung von Sprachstörungen bis zur Untersuchung kultureller und technischer Kommunikationsprobleme. Solche Aufgabengebiete sind u.a. (vgl. auch Knapp et al. 2007):
- Sprachunterricht und Sprachdidaktik (in Muttersprache und Fremdsprache)
- Schreib- und Leseprozesse (Schreib- und Schrifterwerb, Schreibdidaktik, Schreibtraining, Alphabetisierung)
- Mündliche Kommunikation (Spracherwerb, Sprecherziehung, Förderung kommunikativer Kompetenzen, Gesprächstraining und Angewandte Gesprächsforschung)
- Nonverbale Kommunikation (Prosodie, Gestik, Mimik, auch Gebärdensprache)
- Multimodale Kommunikation (Verknüpfung von geschriebener und gesprochener Sprache, Prosodie und Typografie, statischen und dynamischen Bildern/Grafiken, Ton, Gestik und Mimik)
- (Optimierung der) Kommunikation im Beruf, darunter:
- interne und externe) Kommunikation in und von Wirtschaftsunternehmen
- Verwaltungskommunikation
- Medizinische und therapeutische Kommunikation
- Kommunikation in Medienunternehmen (z.B. journalistisches Schreiben und
journalistisches Sprechen)
- Kommunikation vor Gericht - Sprache und Gesellschaft (z.B. Dialekte, Sprachbarrieren)
- (Massen)mediale Kommunikation (Print-, Funk- und Computermedien)
- Werbekommunikation
- Klinische und therapeutische Kommunikation (Messung von Sprachkompetenzen, Diagnose und Therapie von Sprachstörungen)
- gerichtliche Gutachten zu Sprache und Kommunikation (Forensische Linguistik)
- Übersetzen und Dolmetschen
- Mehrsprachigkeit (z.B. Bilingualismus, Kontrastive Linguistik) und Interkulturelle Kommunikation
- Technische Kommunikation und Dokumentation (z.B. Gebrauchsanweisungen)
- Terminologie und Fachsprachenforschung (z.B. Fachwörterbücher, Glossare, Standardisierung von Kommunikation)
- Computergestützte Sprachverarbeitung (Texttechnologie, Hypertextkonstruktion, Evaluation von Websites, linguistische Datenverarbeitung, maschinelle Recherche- und Übersetzungshilfen, Spracherkennung, Mensch-Maschine-Interaktion, Lernsoftware)
- Wörterbuchschreibung und Wörterbuchpflege
- Beratung bei Sprachpolitik und Sprachplanung
- Sprachberatung und Schreibberatung, individuell und für die Öffentlichkeit (Rechtschreibung, Grammatikregeln, Textplanung, Stilempfehlungen)
- Gesprächsberatung und praktische Rhetorik
- wissenschaftlich fundierte Sprachkritik
Adressaten für angewandt-linguistische Erkenntnisse sind – neben der allgemeinen Öffentlichkeit und Studierenden sprach- und kommunikationsbezogener Fächer – insbesondere Personen und Organisationen, die in ihrem professionellen Alltag mit Sprach- und Kommunikationsproblemen befasst sind, ohne selbst auf dem (aktuellen) Kenntnisstand wissenschaftlicher Forschung zu sein. Andererseits eröffnet die Angewandte Linguistik mit den von ihr vermittelten Kompetenzen neue Berufsfelder für Absolventen linguistischer Studiengänge (vgl. Becker-Mrotzek/Doppler 1999, Becker-Mrotzek/Brünner/Cölfen 2000).
Literatur:
Literatur:
- Becker-Mrotzek, Michael/Christine Doppler (Hg.) (1999): Medium Sprache im Beruf. Eine Aufgabe für die Linguistik. Tübingen: Narr. (ISBN 3823353551)
- Becker-Mrotzek, Michael/Gisela Brünner/Hermann Cölfen (Hg.) (2000): Linguistische Berufe. Frankfurt/Main: Lang. (ISBN 3631368208)
- Knapp, Karlfried/Gerd Antos/Michael Becker-Mrotzek/Arnulf Deppermann/Susanne Göpferich/Joachim Grabowski/Michael Klemm/Claudia Villiger (Hg.) (2007): Angewandte Linguistik. Ein Lehrbuch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: Francke. (=UTB 8275, ISBN 3825282767)
- Reihe „Forum Angewandte Linguistik“ (fAL)
